ZEITUNG
NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN - Mo 15.06.2009 - FORCHHEIM LOKAL
1200 Besucher genossen mitreißenden Beat
Rock am Bus hatte sieben Bands zu bieten — Benefiz-Konzert letztmals auf Weber&Ott-Gelände?
Eine stolze Bilanz: Insgesamt 1200 Konzertbesucher an zwei Festivaltagen zählten die Organisatoren von „Rock am Bus“ am Freitag und Samstag. Sieben Bands stellten ihren Auftritt auf dem Weber&Ott-Gelände in den Dienst der „guten Sache“ und traten ohne Gage am Festival auf.
FORCHHEIM — Den musikalischen Auftakt machte am Freitagabend die Forchheimer Gruppe Sermon, die mit ihrem Programm eher die Freunde der „härteren Musik“ begeisterte. Danach heizten die Jungs von Skapirinha dem Festival-Publikum mit ihrem gelungenen Mix aus Ska, Reggae, Funk und Punk so richtig ein.
Den Abschluss des ersten Konzertabends bildete am Freitag das Nürnberger Quartett Lowtus, dass mit seinem Programm dann auf der Gefühlsebene mit melodisch-melancholischen Popsongs das Publikum unterhielt. Am Samstagabend sorgten gleich vier Musikgruppen bei strahlendem Sonnenschein für einen wahren „Bandmarathon“. Den Anfang macht die Punkband D.A.S., die sich als ehemalige Schülerband, bereits vor einigen Jahren einen Namen machte und die nach einer längeren Pause nun erstmals wieder gemeinsam bei Rock am Bus auf der Bühne standen.
Die Ska- und Rocksteady-Formation „Bandylegs“ aus Berlin und dem Berliner Umland, die immer wieder gerne von der Spree nach Forchheim kommt und beim Benefiz-Festival „Rock am Bus“ auftritt, punktete an diesem Abend beim Festivalpublikum mit ihren zahlreichen Eigenkompositionen. Die sechsköpfige Combo um Frontman „Eismann“, bestach an diesem Abend durch ihre Livequalität, sowie durch ihren eigenen kreierten Musikstil. Den mitreißenden Beat gab Bandmitglied Michelle an den Drums vor.
Erstmals dabei auch die Nürnberger Band Megaphon. Mit im Gepäck hatten sie ihre Musik-Mischung aus Reggae, Ska, HipHop, Funk und Dancehall und hinterließen mit ihren Tunes — die durchaus auch sozialkritisch geprägt waren — eine musikalisch überzeugende Visitenkarte.
Überraschende Mixturen
Den krönenden Abschluss von Rock am Bus 2009 bildete dann die Erlanger Ska-Band „Yambalya“, die den Hörer ihrer Musik immer wieder mit Stil-Kollisionen überrascht. Die extravagante Mischung aus Ska, Jazz, Swing, Salsa oder Rock gefällt und kommt beim Publikum gut an. Die Gruppe Yambalya hat sich mit ihrer Musik auch über Frankens Grenzen hinaus einen Namen gemacht.
Auch wenn diesmal das Musikprogramm stark „Ska-lastig“ war, hatte Rainer Makrewitz mit der Organisation des Konzerts wieder alles richtig gemacht. Dies zeigte sich auch an den Besucherzahlen. An beiden Tagen zählten die Veranstalter insgesamt 1200 Festivalbesucher. Der Erlös aus dem Benefizkonzert kommt in diesem Jahr wieder anteilig der Integrativen Kinderkrippe „Rotznasen“ und dem Verein „Menschenskinder“ zugute. Das Weber&Ott-Gelände vor dem roten Doppeldeckerbus Büssing e.V., einem Oldtimerverein, der namensgebend für Rock am Bus war, war also an beiden Tagen gut gefüllt.
Etwas Wehmut schwingt bei den Organisatoren aber schon mit. Nachdem das Festival 2009 bereits im vierten Jahr hintereinander auf dem Weber&Ott-Gelände stattfand, welches der Veranstaltung das unvergleichliche Flair erst verlieh, muss der Veranstaltungsort im nächsten Jahr wahrscheinlich gewechselt werden. Der Grund: Im riesigen Backsteingebäude gleich neben dem Festivalgelände hat ein Investor Wohnungen errichtet. Um hier die Bewohner nicht zu stören, soll es sich 2009 nun hier „ausgerockt“ haben.
Gini Schmidt von der Kinderkrippe Rotznasen hofft natürlich, dass man sich von Weber&Ott hier erweichen lässt und das Gelände auch 2010 wieder für einen „guten Zweck“ zur Verfügung stellt. „Falls nicht; müssen wir uns etwas anderes einfallen lassen“, so Schmidt. Noch hofft man darauf, dass man auch 2010 wieder zwei Tage auf dem Weber&Ott-Gelände rocken darf. ALEXANDER HITSCHFEL
NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN - Mo 11.06.2007 - FORCHHEIM LOKAL
„Rock am Bus“ lockte zahlreiche Fans auf das alte Fabrikgelände
„Rock am Bus“ erwies sich auch in diesem Jahr wieder als Besuchermagnet. Das besondere Flair zog
mehrere Hundert Open-Air-Freunde auf das Festivalgelände am alten Fabriände von Weber &Ott in
Forchheim-Ost. Auch dieses Mal haben sich fünf Bands bereit erklärt, auf ihre Gage zu verzichten, so dass
die Einnahmen aus dem Benefizkonzert wieder der integrativen Kinderkrippe „Rotznasen“ in Forchheim-
Buckenhofen zugute kommen. Während die Nürnberger Band „Nürnberg-Ton“ mit Gitarren und Geigen eher
ruhigere Töne anschlug und Lieder wie „Misses Robinson“ von Simon and Garfunkel oder „Ring of fire“ —
ein unvergessener Johnny Cash-Klassiker — im Gepäck mit nach Forchheim gebracht hatten, legten
„Burning Sax“ dann bei ihrem Auftritt so richtig los und unterhielten das zahlreiche Publikum mit
Eigenkompositionen wie „Look around“ oder „Sonnenschein“. Auch für die „Headbanging-Fraktion“ hatten
„Burning Sax“ etwas in ihrem Repertoire. Die „Booze Bombers“ trafen dann voll den Geschmack der Punk-
Rock-Fans, bevor die Laufer Band „Uprising“ mit Rootsreggae das Publikum zum Abtanzen einlud.
Überraschungsband an diesem Abend war die bekannte Rockgruppe „Marshall Brainstorm“ aus Forchheim,
die mit ihrem Musikauswahl für beste Laune sorgten. Nach Ende des Live-Musikprogrammes draußen ging
es dann im Innenbereich des alten Industriegebäudes auf dem Weber&Ott- Gelände musikalisch weiter. Bis
weit nach Mitternacht sorgten die „Annanacht-DJs“ Alexis und Marcell unter den Besuchern für
Partystimmung. „Rock am Bus“ ist eine Konzertveranstaltung, die sich mittlerweile im Forchheimer
Veranstaltungskalender gut etabliert und viele Fans gefunden hat.
NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN - MO 12.06.2006 - FORCHHEIM LOKAL
Rock für Rotznasen konkurriert mit Fußball
Weber & Ott-Gelände füllte sich bei Benefizkonzert nur
zögerlich - In toller Stimmung abgefeiert
FORCHHEIM - Samstagabend kurz nach Sechs, im Glutofen des Weber & Ott-Geländes sitzen einige
wenige Jugendliche wie verloren an Biertischen. Vom Grillimbiss wehen Rauchschwaden über den
geschotterten Platz, der sich eigentlich mit Hunderten hätte füllen sollen. Schließlich geben sich fünf Bands
beim »Rock am Bus« das Mikrofon in die Hand.
Ein Benefizkonzert zu Gunsten des »Vereins für Forchheimer Kinder und Jugendliche« und der integrativen
Kinderkrippe »Die Rotznasen« treten in Konkurrenz zur Fußballübertragung. Und scheinen zu Beginn einen
schweren Stand zu haben. Den schwierigen Auftrag, den Abend zu eröffnen, haben »Ludwag« bekommen.
Auf Grund zu langer Soundchecks bleibt es allerdings bei nur etwa 20 Minuten statt der vorgesehenen
Stunde.
Die vierköpfige Band, deren Mitglieder sich als »klassische Nichtmusiker« bezeichnen, spielt seit fünf Jahren
elektro-akustische Experimentalmusik. Dahinter verbirgt sich eine individuelle Live-Show mit viel
Improvisation, mit Sprechgesang, »Schreigesang« oder gänzlich ohne Gesang. Frank Kretschmann
(Sound), Alex Neubauer (Percussion), Kjell Zettwitz (Bass) und Matthias Höll (Drums) spielen nur selbst
komponierte Stücke.
Name nach einem Ort
Ihren Namen haben »Ludwag« übrigens von einem kleinen Ort, der heute zu Scheßlitz gehört. An einem in
der Nähe gelegenen Baggerloch wurde die Band aus der Taufe gehoben. Damit ist sie für den Auftakt bei
strahlendem Sonnenschein bestens geeignet.
Allmählich füllt sich das Gelände vor dem roten Doppeldeckerbus des »Büssing e. V.«, einem
Oldtimerverein, auf dessen Vereinsgelände das Rockkonzert stattfindet, und der namensgebend für »Rock
am Bus« ist. Mehr und mehr Jugendliche und Junggebliebene strömen aus allen Richtungen heran und
hören »Booze Bombers«, eine Ska-Punk-Band aus der Fränkischen Schweiz.
Seit zwei Jahren spielen Florian Heumann (Bass/Gitarre), Frederik Huber (Drums/Gesang) und Frank
Kohlmann (Bass/Gitarre/Gesang) moderne Ska-Musik mit Punkeinflüssen. Diese jamaikanische Tanzmusik
der 60er Jahre erlebte einige Wellen, deren dritte seit den 80er Jahren en vogue ist. Hauptsächlich eigene
Lieder, aber auch gecoverte Titel von »Sublime« sind zu hören. »Lasst uns die Hüften schwingen,
schließlich scheint die Sonne« schallt es von der Bühne, und es gibt die passenden Stücke: »Sommer« und
eine Hymne auf »Franconian Beer«. Zu den schnellen Rhythmen wagen jedoch nur wenige Zuhörer zu
»skanken« (zum Ska zu tanzen).
Im Mittelpunkt des Konzertes steht »Uprisin'« aus Nürnberg. Marc Preston (Gesang), Dirk Sommerfeld
(Drums), Sebastian Kutscher (Gitarre), Volker Zinn (Gitarre), Stefan Woelfel (Bass) und Wulle Weirich
(Piano) spielen Reggae-Musik. Nicht ohne Grund hat sich die Combo nach einem Album des legendären
Bob Marley benannt, dabei aber den letzten Buchstaben »aus rechtlichen Gründen« weggelassen. Mit
sanfter Stimme und in gemütlichem Tempo. »Wir spielen Groove-Musik mit etwas dem Rap nahe stehenden
Dancehall, und einigen Hiphop-Elementen,« so Marc Preston.
Beim Publikum kommt der lockere Sound gut an, der Platz vor der Bühne hat sich inzwischen gefüllt. Mit
hereinbrechender Dämmerung fallen die Hemmungen, und die Berliner »Bandylegs« (O-Beine) heizen mit
Off-Beat-Rhythmen so richtig ein. Michelle Moesner (Drums), Jürgen Schulz (Posaune), Sven Tannhäuser
(Bass), Björn Dombrowski (Gitarre), Sebastian Fritz (Trompete) und Stefan Lohmann (Organist) spielen eine
Mischung aus Reggae, Blues und Swing. »Unsere Musik ist ziemlich gemütlich, lebensfroh und gut tanzbar«,
so Jürgen Schulz. Der eigenständige Sound und Style mit selbst komponierten Liedern orientiert sich am
Ska-Punk, nur klingt das Ganze viel melodiöser.
Zwischen Cash und Brel
Zum Abschluss werfen sich »Marshall Brainstorm« aus Forchheim in die Bresche. Gunther Siegel und Olli
Lotz (Gitarre), Matze Trykowski (Drums) und Thierry Roussell (Bass) präsentieren Texte in Deutsch,
Französisch und Englisch. Was die Band spielt? »Selbst wir können es nicht einordnen. Irgendetwas
zwischen Johnny Cash und Jacques Brel«, so Siegel.
Die wilde Mischung aus Chanson, Jazz, Country- und Rockabilly-Musik versetzt die Zuhörer in beste Laune.
Noch bis in die frühen Morgenstunden wird bei der Afterparty in der »AnnAnAcht« mit einem DJ abgefeiert.
Das Konzert »Rock am Bus« hat es der Fußballübertragung gezeigt und mehr Zuhörer angezogen als
erwartet. Es gibt noch ein Leben jenseits des Fußballs - wie tröstlich. UDO GÜLDNER
NORDBAYERISCHE NACHRICHTEN - Di 08.03.2005 - FORCHHEIM LOKAL
Krippenplätze dank Zähigkeit und Rockmusik
Angesichts fehlender Betreuungsangebote greifen Eltern zur Selbsthilfe - Tagespflege in einem Privathaus
VON GEORG KÖRFGEN
FORCHHEIM-Buckenhofen - Es sieht aus wie in einer richtigen Kinderkrippe. Zweijährige zischen dem Besucher an den Beinen vorbei und gucken neugierig, ein bisschen Geschrei liegt in der Luft und bunte Klötze auf dem Boden. Doch das Haus am Buckenhofener Hinteranger 4 ist keine Krippe, jedenfalls noch nicht. Zäh und hartnäckig kämpfen seit Monaten drei Frauen darum, dass die Einrichtung von Freistaat und Stadt akzeptiert und finanziell gefördert wird. Der Mangel an Betreuungsangeboten in der Stadt treibt kuriose Blüten.
»Der Bedarf ist da. Da gibt es gar keinen Zweifel«, meint Anja Sauerborn-Schwarz resolut. Energisch muss die angehende Diplompädagogin in diesen Tagen auch sein, denn der Wind weht der Mini-Initiative aus Buckenhofen ins Gesicht. Zwar weiß die Stadt seit der gesetzlich vorgeschriebenen Bedarfserhebung Ende 2004, dass gut 45 Krippenplätze in Forchheim fehlen, doch wurde noch keine Entscheidung getroffen. Jedoch deutet sich der berühmte »politische Wille« in den Gremien schon an: Wenn neue Krippenplätze eingerichtet werden, dann sollen zuerst die städtischen Kindergärten bedacht werden - eine Art Existenzsicherung in Zeiten zurückgehender Geburtenzahlen.
»Hinhaltetaktik« kritisiert
Die derzeitige Politik bezeichnet Sauerborn-Schwarz als »Hinhaltetaktik«. »Im Gespräch äußern sich die Politiker immer positiv. Doch im Stadtrat gibt es dann immer neue Argumente für eine Verzögerung.«
Anja Sauerborn-Schwarz und ihre Mitstreiterinnen, die Erzieherinnen Sabine Arentz und Gini Schmidt, setzen dem eher kaufmännischen Denken pädagogische Argumente entgegen. Sie halten die altersgemischten Gruppen in städtischen Krippen für zu groß, den Schlüssel von einer Betreuerin auf sechs Kinder für zu großzügig. »Wir streben drei Kinder auf eine Betreuerin an. Die Kleinen sind sonst überfordert. Unser Konzept ist familiärer.«
Und weil man vom eigenen Konzept überzeugt ist, wurde Mitte Januar Ernst gemacht. Im Privathaus Hinteranger 4 in Buckenhofen wurde eine Tagespflegeeinrichtung gegründet, sozusagen als Vorstufe zur Kinderkrippe. Nur über eine Flugblattaktion, Mundpropaganda und ein paar Zeitungsartikel fanden sich acht Kinder, die derzeit betreut werden. Fußböden wurden erneuert, eine Dämmung zum Schutz der darunter liegenden Wohnung verlegt, eine Küche eingebaut. Platz ist genug da, so dass die Vorgaben der Regierung erfüllt werden können: 150 Quadratmeter mit allen nötigen Räumen.
Eilig gegründeter Verein
Bisher betreuen Gini Schmidt und Sabine Arentz die Kinder auf 400-Euro-Basis. Beim Jugendamt sind sie angemeldet. Doch der im Januar eilig gegründete Verein »Integrative Kinderkrippe Forchheim« ist mit deren Bezahlung und dem Stellen der Räume überfordert. Daher wünscht man sich so dringend die Förderung von Seiten der Stadt. »Mindestens 50 Prozent der Mittel fehlen dem Verein für den Betrieb der Krippe. Jährlich würde das 20 000 bis 30 000 Euro für die Stadt ausmachen, schätzt Sauerborn-Schwarz. Damit könnten bei zwölf Krippenplätzen rund 16 Kinder betreut werden - weil nicht jedes Kind einen Volltagesplatz benötigt.
Die Regierung von Oberfranken wird der Initiative aus Buckenhofen wohl grünes Licht geben. Der Antrag auf Betriebserlaubnis ist fast fertig, die Signale aus Bayreuth positiv. Rein formell kann wohl bald eine Krippe betrieben werden - privat finanziert versteht sich.
Mehr als bisher will der Verein von den Eltern nicht als Beitrag verlangen. Er liegt schon leicht über den Sätzen des städtischen Kinderhauses. »Das geht dann für manche Eltern nicht mehr«, sagt Anja Sauerborn-Schwarz.
Um mehr Geld in die Kassen zu spülen, wird jetzt sogar zu einem Benefizkonzert geladen. Der Erlös kommt komplett der Kinderkrippe zugute. »Damit können wir vielleicht ein halbes Jahr die Miete bezahlen«, meint Anja Sauerborn-Schwarz. Sie wollen auf jeden Fall weitermachen, so lange es finanziell geht.
(i) Das Benefizkonzert »Rock für Rotznasen« findet am Samstag, 12. März, 20 Uhr, in der alten Weber & Ott-Halle (»AnnAnAcht«) statt. Der Eintritt beträgt sechs Euro. Es spielen »Die Reformer« und »Marshall Brainstorm«, anschließend DJ-Party.